Kamine

Raumluftunabhängige Öfen vs. Unterdruckcontroller

DIBT und was dahinter steckt

Einen raumluftunabhängig geprüften Ofen in einem Passivhaus zu betreiben stellt einige Anforderungen an die Feuerstätte und setzt gute Kenntnisse der Handwerker und Fachleute vor Ort voraus. Die Prüfung einer solchen Feuerstätte auf Unterdruckdichtigkeit nimmt das DIBT (Deutsche Institut für Bautechnik) vor. Die Behörde ist bekannt für ihre solide Arbeit. Über die Prüfung an sich gibt es unterschiedliche und differenzierte Meinungen und Unterdruckcontroller sind auf dem Vormarsch.

Was ist das DIBT?

Das Deutsche Institut für Bautechnik, kurz DIBT genannt, ist 1968 gegründet worden und hat seinen Sitz in Berlin. Das Institut ist länderübergreifend für die Zulassung von Bauprodukten und Bauarten zuständig. Es überprüft Standard- Sicherheitsnachweise für bauliche Anlagen und erstellt in Bund- und Länderauftrag bautechnische Gutachten. Die Aufgaben des DIBT sind so zahlreich, dass innerhalb des Hauses verschiedene Abteilungen gebildet worden sind. Abteilung III des DIBT ist vor allen Dingen für den Brandschutz und die Gebäudetechnik zuständig. Unter das Ressort der Gebäudetechnik fallen die Abwassertechnik, die Energieeinsparung, die Raumlufttechnik sowie die Abgas- und Feuerungsanlagen. Im Rahmen letzterer Zuständigkeit kümmert sich das DIBT auch um die Zulassung von Feuerstätten. Ein raumluftunabhängiger Kaminofen darf nur in Betrieb genommen werden, wenn er vom DIBT zugelassen worden ist. In Häusern, die über eine Be- und Entlüftungsanlage verfügen, sollte ein raumluftunabhängiger Ofen nur in Verbindung mit einem Unterdruckcontroller betrieben werden.

Voraussetzungen für die DIBT-Zulassung

Ein raumluftunabhängiger Ofen mit DIBT-Zulassung entnimmt die Luft, die er für den Verbrennungsprozess benötigt, nicht der Raumluft. Die Bezeichnung raumluftunabhängiger Ofen mit DIBT-Zulassung ist nur gestattet, wenn die Verbrennungsluft über Schächte oder Leitungen direkt vom Freien zugeführt wird. Zum anderen setzt die DIBT-Zulassung voraus, dass Abgase nicht in gefährlicher Menge in den Aufstellraum des Ofens entweichen. Diese Voraussetzung wird jedoch nicht während des Ofenbetriebs überprüft. Darum ist es empfehlenswert, dass ein raumluftunabhängiger Ofen nur in Kombination mit einem Unterdruckwächter zum Einsatz kommt.

Pflicht im Niedrigenergie- oder Passivhaus: ein raumluftunabhängiger Ofen

Moderne Niedrigenergie- oder Passivhäuser halten die Wärme mit einer dichten Schutzhülle fest. Der Nachteil: Das Haus wird ungenügend durchlüftet, es kann zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung kommen. Darum ist in solchen Häusern eine Be- und Entlüftungsanlage installiert. Wird diese Anlage zusammen mit einem raumluftabhängigen Ofen betrieben, oder wird in einem herkömmlich gebauten Haus eine Dunstabzugshaube zusammen mit einem solchen Ofenmodell benutzt, kann es innerhalb des Hauses zu einem Unterdruck kommen, der lebensgefährliche Gase ins Hausinnere zieht. Ein DIBT-zugelassener raumluftunabhängiger Ofen ist daher in Niedrigenergiehäusern und in Passivhäusern ein Muss.

DIBT-Zulassung heißt: Keine Prüfung während des Gebrauchs

Ein raumluftunabhängiger Ofen wird vom DIBT geprüft. Das bedeutet jedoch nicht, dass das DIBT sich jeden einzelnen Ofen zur Prüfung vornimmt, bevor er in den Verkauf geht. Vielmehr werden aus der jeweiligen Modellreihe eines Herstellers ein raumluftunabhängiger Ofen oder mehrere nach den standardisierten Prüfverfahren des DIBT durchgecheckt. Dabei misst das DIBT die Leckrate und die CO-Konzentration nach 6000 Öffnungen und Schließungen der Feuerraumtür. Das DIBT gibt vor, dass ein raumluftunabhängiger Ofen nur betrieben werden darf, wenn er auch im Laufe seiner Benutzung keinen Unterdruck im Aufstellraum erzeugt, der sich um mehr als acht Pascal vom Luftdruck im Freien unterscheidet. Ein Unterdruckcontroller kann im Ernstfall lebensrettend wirken, wenn ein älterer raumluftunabhängiger Ofen diese vom DIBT formulierten Grenzwerte überschreitet.

Nur ein Unterdruckcontroller schafft wirkliche Sicherheit

Die Intention des DIBT, alle Feuerstellen auf korrekte Unterdruckwerte zu überprüfen, verfolgt sicherlich das richtige Ziel. Eine einmalige Zertifizierung genügt jedoch nicht; tatsächlich müsste, um wirkliche Sicherheit zu gewährleisten, ein raumluftunabhängiger Ofen jährlich überprüft werden. Zumal die Hersteller von Lüftungsanlagen nicht Willens oder in der Lage sind, eine Zertifizierung darüber auszustellen, dass kein Unterdruck höher als 8 Pascal entstehen kann. Des weiteren sollte die Betriebskombination mit einem Unterdruckwächter zwingend notwendig sein. Denn die gewaltigen Temperaturen, die im Ofeninneren während des Verbrennungsvorgangs entstehen, belasten den Stahl durch Dehnung. Zusammen mit dem Öffnen und Schließen der Ofentür kommt es im Laufe der Jahre zu Undichtigkeiten. Außerdem muss für die Funktion des gesamten Systems gewährleistet sein, dass der Kanal oder Schacht, der die Verbrennungsluft von außen zuführt, ebenfalls unterdruckdicht ausgeführt ist. Auch der Anschluss an den Schornstein muss weitgehendst luftdicht sein. Es liegt also ein kompliziertes Zusammenspiel vor, dessen Funktion nicht durch eine einmalige DIBT-Abnahme des raumluftunabhängigen Ofens garantiert ist.

Der Unterdruckwächter: Einfache Montage, zuverlässige Funktion

Es ist bereits ausgeführt worden, dass die gut abgedichteten Niedrigenergie- und Passivhäuser mit ihren Be- und Entlüftungsanlagen besonders gefährdet für hohe Unterdruckentwicklungen beim Betrieb von Kaminöfen sind. Ein raumluftunabhängiger Ofen ist hier das einzige Mittel der Wahl. Aber damit ist es nicht getan. Um während des Ofenbetriebs wirklich auf der sicheren Seite zu sein, muss der DIBT-zugelassene Ofen mit einem Unterdruckwächter kombiniert werden. Ein Unterdruckwächter schaltet den Ofen zuverlässig ab, sobald bestimmte Unterdruckwerte erreicht werden. Ein Unterdruckwächter ist keine große Investition. Auch seine Montage ist einfach durchführbar. Damit der Unterdruckwächter wirklich sicher funktioniert, sollte seine Installation jedoch Fachkräften überlassen werden.

 

Der Unterdruckwächter unterbricht die Stromversorgung zum Lüftungssystem, sobald die Druckunterschreitung einen definierten kritischen Wert erreicht hat. Bei raumluftabhängigen Öfen geschieht dies bei vier Pascal. Offene Kamine sollten zusätzlich zum Unterdruckcontroller von einem Temperatursensor kontrolliert werden. Ein raumluftunabhängiger Ofen wird durch den Unterdruckwächter von der Stromversorgung genommen, sobald ein Unterdruck von acht Pascal entsteht. In den meisten Unterdruckwächter-Systemen ist eine intelligente Steckdose integriert, an der Abluftanlage oder Heizanlage angeschlossen ist.

 

Das kleine Gehäuse kann unauffällig beispielsweise auf dem Küchenschrank platziert oder unter Putz installiert werden. In Korrespondenz mit dem Unterdruckwächter stehen zwei dünne Schläuche, die durch den Abluftkanal ins Freie geführt werden und für die Differenzdrucküberwachung sorgen. Wenn nach dem Abschalten der Stromversorgung durch den Unterdruckwächter der Druckausgleich wieder hergestellt worden ist, schaltet der Unterdruckcontroller die Stromversorgung und damit den Heizbetrieb automatisch wieder an.

Fazit: Ein raumluftunabhängiger Ofen und der Unterdruckwächter sind ein starkes Team

Niedrigenergie- und Passivhäuser boomen. Das ist kein Wunder angesichts der in steiler Kurve kletternden Energiepreise. Aus diesem Grund und der ökologischen Nachhaltigkeit wegen soll das Passivhaus bis 2020 europaweit Standard für Neubauten werden. Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin auch die Sicherheitsauflagen für Feuerstellen novelliert worden sind. Ein raumluftunabhängiger Ofen muss in Deutschland durch das DIBT zugelassen werden, bevor er in einem der neuen, perfekt gedämmten Häuser mit Be- und Entlüftungsanlage verbaut wird. Dieser Ansatz ist richtig, reicht aber nicht weit genug.

 

Weder die Installation von Unterdruckwächtern noch die jährliche Überprüfung durch den Schornsteinfeger sind zur Pflicht gemacht worden. Wenn ein raumluftunabhängiger Ofen im Haus vorhanden ist, kann der Schornsteinfeger einen Unterdruckwächter fordern – aber er muss es nicht. Die Entscheidung ist in seine Verantwortung gelegt. Auch die jährliche Kontrolle der Unterdruckdichtigkeit des gesamten Systems, das ein raumluftunabhängiger Ofen für seinen sicheren Betrieb braucht, ist in Deutschland nicht vorgeschrieben. Um so wichtiger ist es darum, dass der Hausbesitzer über die eventuellen Gefahren seiner Feuerstelle informiert wird, damit er die Betriebssicherheit selbst gewährleisten kann. Und das geht nur in Verbindung mit einem Unterdruckwächter. Der Controller überprüft permanent den Ofenbetrieb auf gefährliche Unterdrücke. Mit einem Unterdruckwächter können sich alle Hausbewohner zurücklehnen und die schöne Wärme ihrer Feuerstelle wirklich entspannt genießen.

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1 Kommentar

  1. Karsten Spiegel

    Guten Tag,
    interessanter Bericht.
    Ich plane aktuell genau diese Konstellation, würde den Unterdruckwächter jedoch gerne vermeiden.
    Sie sprechen von einer geringen Investition. Die Kosten betragen jedoch um die 1.000€, was für mich ein enormer Kostenfaktor ist.
    Außerdem ist ein elektrisches Bauteil niemals sicher oder kann auch permanente Fehlfunktionen haben. Ich kann mich damit genausowenig beruhigt in meinem Sessel zurücklehnen und die Kaminwärme genießen…
    Wie oft sollte denn das Grät und die Messung überprüft werden? Welche Kosten kommen da noch auf mich zu?
    In welchem Intervall muss das Gerät ausgetauscht werden, um die Sicherheit weiterhin zu gewährleisten?
    Fazit: In meinen Augen ist der Unterdruckwächter weniger sicher, jedoch ein erheblicher unnötiger Kostenfaktor!

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